
No habla - Malle Calling
Kurzurlaub auf Mallorca, Frühjahr 2013
REISENURLAUBSPANIENMALLORCA
Elmar Matzeit
2/24/202624 min read
U.N.O.
O süßer Duft nach Mandelblüte und Olive, Mixtur aus Meer und Hain - Mallorca, Perle der Balearen, heute werde ich...
...zunächst von einem Taxifahrer begrüßt, dessen Fahrgast-Zelle vermuten lässt, dass zuvor dort die versammelte Football-Mannschaft der "Incredibly Stinky Sports Socks" eingesperrt worden war. Süßer Mittelmeerduft my ass!
Am einsamen S-Bahnhof wartet lediglich ein schlafender Obdachloser auf den Tagesanbruch, und meine olfaktorische Reise wird zwei Stationen später durch eine ältere Dame fortgesetzt, die den kalten Geruch nach einem Genozid an fünf Dutzend "Pall Mall" mit sich trägt und deren klassisch feucht-rasselnde Husten wahrer Räucherkammer-Feinschmecker einen Kontrapunkt zu dieser frühmorgendlichen Erfahrung bildet. "Köärch-köärch-köärch!"
Wenigstens gehöre ich nicht zu den armen Würstchen, die sich für die "Lufthansa" eingebucht haben - denn dort sieht es düster aus in Sachen "Über den Wolken".


Und so schreibe ich den ersten kurzen Absatz meines Reisetagebuchs "Malle" (welch liebevoll-schnodderiger Ruhrpott-Name für diese Insel!) ausnahmsweise zunächst einmal nicht abends zum Abschluss des Tages in meinem Hotelzimmer, sondern am Internet-Terminal nahe Gate D6.
Meine Innere Uhr hatte mich - auch für mich irgendwie überraschend - pünktlich 10 Minuten vor dem gesetzten Alarm um zwei Uhr fünfzig geweckt. Und ich kann die Dutzenden von Leutchen verstehen, die vor dem Backshop-Schalter des Abflug-Gates nach Koffein gieren. Er ist wirklich eine Zeit, zu der lediglich Bäcker und müffelnde Taxifahrer aktiv sein sollten!
Der Flug verläuft ereignislos, aber ich merke schon bald, dass vier Stunden Schlaf einfach zu wenig sind. Von wegen "Im Alter braucht man weniger Schlaf."!
Die Organisation läuft wirklich reibungslos - das Gepäck kommt auf dem Förderband an, die freundliche Dame am Tui-Schalter erklärt, zu welchem Transfer-Bus man sich bewegen soll - und erfreut stelle ich schon am Flughafen fest, warum die Stadt "Palma" de Mallorca heißt.


Auch sonst bin ich nach der doch eher kalksteinigen, engen Insel Malta froh, so etwas wie "Landschaft" oder gar "Wald" zu erkennen - und nicht nur ein paar Alibi-Bäume. Nach einer Dreiviertelstunde Fahrt mit Zwischenstopps an anderen Hotels in Pa/eguera (man ist sich auch vor Ort nicht ganz sicher, ob man es nun kastellanisch "Paguera" oder mallorquin "Peguera" schreiben soll) erreiche ich das "Grupotel Nilo", und das Ganze macht nen guten Eindruck.


Man sprikt deutsh - freundlich weist man mich darauf hin, dass mein Zimmer erst in etwa zwei Stunden zur Verfügung steht. Aber im Gegenzug bietet man mir kostenfreien Zugang zum Frühstücksbüffet an - ein netter Zug, von dem ich gern Gebrauch mache. Neben dem klassischen Kram findet man auch ein paar mallorquinische Spezialitäten (etwas sauer Eingelegtes, das wie Algen aussieht und auch schmeckt, ist auch dabei - ebenso wie ein paar leckere Käse- und Wurstsorten). Aber natürlich auch Rot- und Leberwurst dürfen bei einem ANSTÄNDIGEN Frühstücksbüffet nicht fehlen - damit sich Erna und Heinrich nicht aufregen. - Meine Anwesenheit senkt den Altersdurchschnitt um einige Jahre, und ich vertreibe zu ständig dudelnder Instrumentalmusik, die mal an Plätscher-Jazz und mal an melancholische Wiener Kaffeehausmusik erinnert, die Müdigkeit mit einer ordentlichen Portion Kaffee. Womöglich fühlen sich einige Gäste dadurch an ihre Jugend während der K.-und-K.-Zeit zurückerinnert.
Ein kleiner Rundgang hinab zum Strand bringt mich schon gleich einigen Beispielen typisch mallorquinischer Kultur nahe (der Himmel über Berlin hängt offenbar auch auf den Balearen voller Currywürste)...


...und auch für deutsche Harry-Potter-Fans ist was dabei.


Außerdem entdecke ich bei meinem kleinen Rundgang ums Hotel herum neben der grassierenden Teutonisierung die wahrscheinliche Frühstückswurstquelle.


Das Zimmer ist ganz okay - aber der Unterschied zum Hotel auf Malta ist frappierend. Die Matratze ist fürchterlich weich, und das Wireless Internet, das ich ebenso wie den Zimmersafe dazu buchen musste (irgendwie muss man ja den Schnäppchenpreis für die Woche Halbpension und die exklusive Leberwurst wieder ausgleichen), funktioniert in meinem Zimmer auch nicht. Ein Reichweitenproblem, das ich wohl ansprechen werde. Neben mir ächzt und schnauft sich ein rundlicher älterer Herr zum kostenlosen kabelgebundenen Terminal und tut was für seine Linie/Parabel, denn glücklicherweise stehen in diesem Ruhe-/Leseraum sowohl Kaffee als auch süßes Blätterteilgebäck bereit, falls der Kleine Hunger seine scharfen Klauen wetzt. Uff-schnauf-ächz - das geht noch rein! - Und dann kugelt er sich wieder raus. - Genug getan für heute!
Der freundliche Onkel am Empfang hat leider keine Alternativen parat: es gibt kein anderes freies Einzelzimmer, daher muss ich mit dem Sumpfbett und dem immobilen Internet zunächst leben. Was soll's, denke ich mir und begebe mich auf eine kleine Erkundungstour zu Fuß in die Stadt (oder das Dorf, je nachdem). Dort treffe ich auf noch mehr Deutschtümelei, dass ich nach "Heissen Hühnern",


"Lazagne", diversen "Mettbrötchen"-Angeboten, "Eisbein mit Sauerkraut für nur 7,50" und "Thüringer Land - Thüringer Rostbratwurst" sowie dem "Original Fräulein Müller" (seltsam allerdings, dass nirgendwo ein Imitat zu finden ist)


und dem sicherlich originellsten Kneipennamen und -slogan EVER (Mama, wen ich gros binn, wil ich auch inn sein!)


erstmal aufgebe, noch mehr entsprechende Fälle zu dokumentieren. - Dokumentationen überlasse ich lieber den Profis vor Ort, die lokale Infos für Touris aus Tschland aufbereiten. - Tschlaaaaand! (hust)


Lediglich meinen ehemaligen Kollegen der Bavaria schicke ich noch ein Bild, das sie sicher liebevoll an ihre erfolgreichste Daily Soap denken lässt. Hach!


Ich bin froh, dass ich das Ganze nur in der Nebensaison sehen muss - in der Hochsaison würde mich wohl das kalte Grausen packen, denn schon jetzt komme ich aus dem latenten Parkinson nicht heraus, wenn ich sehe, wie Menschen (wahrscheinlich aus Hamburg) nach Mallorca reisen, um im "Alt Hamburg" Jägerschnitzel zu essen. Es geht halt nichts um wahre Kosmopoliten, die den zurückgebliebenen Insulanern ein wenig altdeutsche Kulinarik auf die Paella schmieren!
Unterwegs fallen mir Poster mit der Aufschrift "Partymöhre Krümel" auf - dazu ein eher nichtssagendes Foto einer jungen Frau mit leerem Blick.


Als ich kurz darauf (gleich beim "Original Fräulein Müller") zu "Krümels Stadl" gelange und einen genaueren Blick auf das Poster werfe, erinnere ich mich dunkel an eine latent unterbelichtete (und wie ihre Vorgängerin Frau Katzenberger) erstaunlich talentfreie Tussi, die damals bei den Trashproduzenten bei VOX nach Unterstützung für ihren "Lebenstraum" einer Ballerbude auf Malle suchte. - Ich quäle mich seitdem mit dem Gedanken, diesen Auftritt aufzusuchen und mal anthropologische Forschung at its worst zu betreiben. - Seit wann habe ich so selbstzerstörerische Anwandlungen? (Liegt das an der schmierigen Akustikgitarren-Instrumental-Version von "Penny Lane", die mich gerade aural penetriert? Kaufhausmusik als Folter? (Nebenbei rätseln Omi und Opi in der Ecke über die Aussprache der Ortschaften, die sie bislang aufgesucht haben: "An-draks. - And-ratsch? - An-drack?") - Wo ist Amnesty International, wenn man sie wirklich mal braucht???)
Wieder zurück im Hotel (das netterweise einen leeren Barkühlschrank stellt, damit ich meine im am wenigstens touristischen Supermarkt in Laufweite erworbenen Getränke kühlen kann) relaxe ich ein wenig, informiere mich über Würschtle-Ullis urschwäbisches Steuerverständnis und darüber, dass er "zurückschlagen" will (Unverschämtheit, jemandem mit so vielen Millionen im Kreuz die Leviten lesen zu wollen - wo komme mer denn do hiii, ha nooo?) und teste abends schließlich das Büffet. Von Prager Schinken direkt vom Bein über Fleischravioli, einer Paella-Variante mit Nudeln statt Reis bis hin zu Sauerkraut - alles da. - Ich behelfe mich mit dem vom Chef selbst à la minute gebratenen Wolfsbarsch sowie dem seltsamerweise ebenfalls erhältlichen Namensverwandten Hundshai (Huu let se dogs aut - WUFF...WUFF-WUFF-WUFF!) - beides erinnert leider schwer an Krankenhauskantine: FAD, bis der Chefarzt nicht mehr kommt. Nur nix Aufregendes für Omi und Opi! - Für Menschen, denen selbst eine Prise Pfeffer "viel zu scharf" ist. Wenn das so bleibt, kann ich mittags schön auf Erkundung nach Leckerem gehen und mir abends dann nur noch das Nötigste reinpfeifen. - Schließlich hatte ich fast damit gerechnet. - Lediglich der Pattisier/die Patissière macht einen wirklich guten Job. Der Süßkram sieht prima aus und schmeckt auch sehr lecker, was der dicke Onkel am Nachmittag ja auch schon indirekt bezeugen durfte.
Auf dem Plan steht heute Abend lediglich ein völlig entspannter Besuch im angeblich "ältesten Pub in Paguera". - Ich habe kein anderes entdeckt - daher wird das sicher eine umwerfende Erfahrung. Aber wenigstens muss ich mich dann nicht in der hoteleigenen Piano-Bar mit noch mehr musikalischem Dünnpfiff bekleckern lassen. - Ich bin gespannt.
Aliens.
Keine andere Erklärung dafür, dass 90 Prozent der Menschen um mich herum um die 60 sind.
Das "älteste Pub" scheint jedoch nicht in der Lage zu sein, in der Vorsaison weder die Jüngeren, noch die Mittelalterlichen noch die Ältesten anzulocken. Kein Mensch, weder drin noch draußen - und das während meines eineinhalbstündigen Rundgangs durch die Stadt. Zudem leistet man sich eine dezente Beschallungsschlacht (in mezzoforte) mit der gegenüber liegenden Pizzeria. Resultat: keiner gewinnt. - Und ich begebe mich notgedrungen (und auch ein wenig neugierig, denn auch hiervon hatte mich das deutsche Bildungsfernsehen vorab informiert) in "Ötte's Melody Pub".


Dort steht seit Napoleons Kaiserzeit Ötte mit seinem Schnautzer hinter der Bar, in einer Paraphernalienecke grinsen einem die Klitschkos entgegen, Öttes zwergwüchsige Frau sitzt an der Bar und qualmt - aber ein kleines Krombacher geht. Sonst ist der Laden ganz nett. Man fühlt sich in ne liebevoll geführte rheinländische/ruhrpottsche Kneipe versetzt, und auch die Stammgäste (natürlich auch nahe dem Rentenalter - wie die Öttes auch) klingen nach dort und kennen sich alle untereinander. - Aber trotz der leider momentan abwesenden attraktiven Tochter des Hauses, die auf besagtem Fernsehsender schon durch ihr gelegentliches "Model"arbeiten glänzen durfte als schmuckes Beiwerk zum bodenständig-deftig-entspannten gastronomischen Treiben der Eltern, will ich mich nicht räuchern lassen und suche weiter nach einem Ort, wo ich mich nicht mit Häuptling Silberlocke und seinem Stamm um einen Platz im "Café Rendezvous" streiten muss... wo ich mich einigermaßen wohlfühlen und für ein paar Getränke niederlassen kann. - Doch, wie Salvador Dali schon sagte: "Pustekuchen." - Einige der im Internet als positiv gerühmten Bars haben die Biege gemacht, und es sieht - genau wie im "Sturm der Liebe"-Café (die Liebe ist angesichts der drei Gestalten drin wohl zu einem lauen Lüftchen abgeklungen) und "Krümels Stadl", wo es auch überaus stad ist - allgemein nicht gut bestellt aus um die Bestellungen. Die "Waikiki"-Bar glänzt durch mein Lieblingslied aus den 80ern: "Life is live" - und im "Café del Bulevard" sitzen sich die Senioren auf den Hühneraugen. (Außerdem weiß doch jedes Rind, dass Kaffee in Mien am besten schmeckt! - Mien, Mien, nur du allein... - ich bekomme Appetit auf Miener Mürstchen.)


Wenn man zu zweit wäre, könnte man sich wenigstens ausgiebig darüber lustig machen und vor Ort über die Schrulligkeiten austauschen. Aber allein sind Selbstgespräche schrullig genug. Stimmt's? - Stimmt.
Nachdem ich auch nicht weiß, ob und wann Busse irgendwohin fahren, wo die Situation anders ist, endet der Abend im Hotel, wo sich mittlerweile der Hauspianist mit der Hausbeschallung einen Klimperkrieg bieten. Ich sage nur: "Beatles-Medley" vs. "As time goes by". - Mir schaudert. - Und ein wenig graut mir auch vor weiteren Abenden hier. - Mit Auto kann ich zwar fliehen, aber nix trinken. - Das Malle-Dilemma.
Buenas noches, Juan-Roberto!
MS-DOS
Das Bett ist definitiv zu weich. Die freundlichen Rheinländer (ich glaube, ab 55 treffen die sich grundsätzlich mindestens einmal auf Mallorca, um dort einen heben zu gehen) aus der nicht weit von meinem Zimmerfenster gelegenen "Erna's Vino y mas" haben noch bis spät für indirekte Beschallung gesorgt, und mir geht es wie dem Jesus aufgrund der Puddingmatratze. - Jedoch mundet das Frühstück, und am Empfang hat man aufgrund meiner freundlichen Mäkelei tatsächlich gute Nachrichten: ich könne mal in Zimmer 135 checken, ob die Matratze mir da eher taugt. - Das tut sie, und zu alledem handelt es sich um ein Doppelzimmer, das Fenster geht zum (ruhigen) Innenhof - und Herr Internet ist tatsächlich auch zu Gast dort. Besser geht's nicht! Ich tue meine Dankbarkeit entsprechend kund und ziehe um.
Der Bus soll mich heute morgen gen Aeroport bringen - genau gesagt erstmal nach Palma und dann zum Flughafen, wo mein Smart ForOne (hüstel!) meinen Gasfußes harren sollte. Als der Bus von Andratx mit gehöriger Verspätung einrollt, ist er voll bis unters Dach, der Fahrer hat glatt kein Wechselgeld mehr - aber das hindert mich nicht an der Ankunft inmitten der Inselhauptstadt. An sich nicht übel, die Stadt. Die Kathedrale wirkt im Vorbeifahren wirklich beeindruckend, und im Yachthafen sieht man, dass nicht nur Herr Hoeneß Moneten verschiebt. (Aber womöglich tue ich ja unbescholtenen und hart für ihre Millionen arbeitenden Bürgern unrecht. Asche auf mein Haupt!)
Am Flughafen geht alles recht flugs: die Papiere sind schnell ausgefüllt, die Kaution per Kreditkarte hinterlegt, und schon besteige ich meinen recht funky mit Karomuster versehenen Flitzer.


Schon die ersten Windstöße erinnern mich an meine Erlebnisse auf Sardinien - so ein Smartie hat selbst mit dickem Onkel an Bord keine wirklich prickelnde Bodenhaftung. - Recht spontan beschließe ich, in Richtung Norden zu fahren, anvisiertes Ziel: das mir empfohlene Castell d'Alarò, nahe des gleichnamigen Städtchens. Selbiges finde ich problemlos, allerdings gurke ich zunächst in Ermangelung einer Ausschilderung im Ort in den engen, verwinkelten Sträßchen und Gassen herum, bis ich wieder in Richtung Zentrum gelange und dann den Weg gen "Orient" einschlage. Kann ja nicht so weit sein.
Ich zweige jedoch ab und schlottere meinen Kleinen über 4 Kilometer holprigster Serpentinen nach oben, mal vorwärts, mal rückwärts - je nachdem, ob jemand entgegen kommt.


Und erreiche dann auch - geschüttelt, nicht gerührt - das Lokal "Es Verger", einen Bauernhof, der sich auf die Verköstigung von Wandernden und anderen Touris spezialisiert hat. Trotz des urigen Innenraums mit offenem Feuer und dem verlockenden Duft nach Deftigem (ich entdecke grundlegend erfreut Schnecken, Lammhaxe, mit pikanter Mett- oder Blutwurst belegten Brötchen auch "Wiener Schnitzel" auf der Karte) - ich habe leider ÜBERHAUPT keinen Hunger. Somit will ich mich nicht quälen und räume das Feld für die Unmengen an (tatsächlich wieder mal zu 99 Prozent deutschen und Ü55) Wanderern, die ganz aufgerecht dorthin zeigen, wo sie entweder waren oder noch hinwollen.


Bedauerlich, denn das duftete überaus lecker - aber vielleicht lasse ich mich doch nochmal stauchen auf einem kulinarischen Ausflug. Diese mysteriösen würzigen Oliven werde ich jedoch nicht kosten!


Nun also doch in Richtung Orient, beschließe ich - und weiche nur mit Mühe einigen Radfreaks aus, die mit ihren 20 Gramm schweren Polykarbonathydroxilperodiphenolverbundstoffrädern in Lichtgeschwindigkeit auf mich zurasen - in dem Bestreben, einen exotischen Haubenschmuck für mein Gefährt abzugeben.


Ich aktiviere den Scheibenwischer und schließe die Augen. Aber das Glück ist mit dem Reisenden, obwohl ich mir keinen Sankt-Christophorus-Tinnef an die Armatur getackert habe. Auf dem Weg durch die wild zerklüftete und wirklich ansehnliche Landschaft des gebirgigeren Teils Mallorcas wird mir klar, warum diese Ecke bei Wanderern und Radlern so beliebt ist. Allerdings weiß ich nicht, ob meine Idee einer Reality Soap mit dem Titel "Mit dem Hollandrad durch Malles Westen" SO der Knaller wird. - Lustig wär's auf jeden Fall, denn selbst mit diesen High-Tech-Zweirädern und Kampfsportler-Kondition ist das Auf und Ab echt nicht ohne. - Von den oft halsbrecherischen Kurvenstrecken nicht zu reden!
Kurz vor der Abzweigung nach Soller kreuzt tatsächlich der Orangenzug, ein klassisches Bähnchen, mit dem man durch die Berggegend zuckeln kann, meinen Weg. Sieht charmant aus - und kostet auch nicht wenig, wobei letzteres vielleicht die vier Passagiere an Bord erklärt.
Nachdem ich nicht wirklich auf eine Wandertour vorbereitet bin, lenke ich schließlich meinen Smart gen Süden, um ihn nach dreieinhalb Stunden Fahrt wieder in der Nähe des Hotels zu parken. Ich will heute Abend eventuell mal per Bus und/oder pedes nach Santa Ponca - mal sehen, ob ich da eine mir genehmere Lokalität finde. Schließlich sollen dort eher Tommys statt Krauts verkehren. - Ve vill see, jawohl!
6 Kilometer klingen ja erstmal nicht viel - aber nachdem sich auch die Küstengegend von Mallorca hier in der Ecke als ziemlich hügelige Angelegenheit entpuppt, stelle ich schnell fest, dass es nach Santa Ponca selbst mit dem Rad eine ziemlich fiese Nummer sein dürfte - vom Spazierengehen ganz zu schweigen! - Gerade der Rückweg mit einem stetigen Anstieg von etwa 50 Höhenmetern über 1 Kilometer wäre im leicht inspirierten Zustand eine ziemliche Quälerei. Somit scheidet die Option: "Leih ich mir einfach ein Rad." erstmal aus.
Der erste Bus fährt mir vor der Nase weg, aber eine halbe Stunde später gelange ich für schlappe EUR 1,50 in eine der Vergnügungsstraßen der Ortschaft. Nach dem "König von Mallorca" oder dem "Café Katzenberger" suche ich vergeblich. Die sind in einem anderen Viertel, wie ich später in Erfahrung bringe. - Gut, so bleiben mir wenigstens zwei potenzielle Anzeigen wegen Körperverletzung erspart!
Und hier gibt es auch, was in Paguera unerklärlicherweise nicht zu finden war: "Shamrock", "Sean's Place"... diverse irische und britische Pubs säumen den Weg des durstigen Fremdlings. - Schließlich lande ich im "Auld Triangle", einem klassisch eingerichteten Irish Pub, das im Gegensatz zum daneben situierten "The Glasgow" über etwas mehr Stil und Professionalität verfügt - auch wenn im anderen Laden die Musik ein wenig mehr nach meinem Geschmack ist. Dort ist es jedoch latent asslig und völlig unaufgeräumt, und ich will nicht ausprobieren, wie unsauber man Gläser oder Getränkeleitungen spülen kann.
Der Cider mundet, und nach einer Stunde in der Abendsonne setze ich mich rein, wo nun Fußball läuft. (Und der Laden ist auch wieder mal von einer deutschen Mehrheit übernommen - wenn auch in einem mir genehmeren Alter. Langsam glaube ich die Story vom 17. Bundesland. - Grusely!)
Der Rückweg wird - da der letzte Bus blöderweise schon um neun Uhr fährt - mit dem Taxi bestritten. Und der Taxler erklärt mir auf Englisch: "Paguera? - Only old people." - Ich muss schmunzeln und sehe mich in meiner Wahrnehmung bestätigt. - Warum stand das in keinem Reiseführer???
TATORT: RADSPORT
Wenn man irgendwo Radsportler hassen lernt, dann hier.
Nach meinem Frühstück erklärt mir der freundliche Onkel an der Rezeption, dass es nicht ratsam sei, die Küstenstraße nach Soller zu fahren. Denn das würde mehrere Stunden dauern. Empfehlenswerter sei es, den Tunnel zu nutzen. - Also lenke ich meinen treues Gefährt (Soll ich ihn "Schnurri" nennen?) zunächst wieder in Richtung Palma, um dann gen Norden zu düsen - und schon dort begegnen mir Rotten von Radlern, die selbst entlang der Hauptstraßen Lance Armstrong ohne Ei spielen. Mit verkniffenen roten Gesichter strampeln sie sich über Bergkämme, ihre ekelhaften Drahtseilwaden immer auf und ab stampfend - alle sehen sie gleich aus. Und es sind fast immer entweder Paare, die sich äußerlich durch nichts unterscheiden - oder Männergruppen, die auf Eisenmann machen. Testosteron-Treff "Beim tollen Toni". Geflissentlich wird ignoriert, dass man HINTER- und nicht nebeneinander fahren sollte - und so gerät das Fahren besonders bei den serpentinenhaften Nebenstraßen, die ich dann doch spontan anstelle des Tunnels nutze, manchmal wirklich zum tödlichen Risiko. Nur knapp schrammen ein, zwei Radler von oben mit über 50 km/h an mir vorbei, andere beanspruchen selbst allein die komplette Seite der Fahrbahn, und ich fluche meinen kleinen unschuldigen Smart voll. Solche Begegnungen habe ich während meiner gesamten Route, wobei ich in Rücksicht auf meinen Blutdruck das Fluchen mit der Zeit reduziere.
Das in einem Tal liegende Soller wirkt schön von oben, aber nachdem die gesamte Hauptstraße auf zwei Kilometern Länge beidseitig mit Autos und Reisebussen zugeparkt ist, spare ich mir das Aussteigen und fahre stattdessen wieder weiter bergan, in Richtung Fornalutx, wo mir ein Restaurant aufgrund seines schmackhaften Spanferkels ans Herz gelegt worden war. Zunächst fahre ich weiter und genieße - soweit es das Fahren zulässt - die wechselhafte Landschaft. Das Hinterland von Mallorca ist wirklich sehenswert. Die Täler sind fruchtbar und mit Orangen- und Zitronenbäumen gesegnet, die Felsformationen der Berge sind schroff und wild. An zwei Aussichtspunkten gelingt mir sowohl ein Blick auf die Meeresseite als auch auf das Tal von Fornalutx, welches bis nach Soller reicht.


Das "schönste Dorf Spaniens" ist tatsächlich recht charmant mit seinen herausgeputzten Häusern, der Lage am Hang und den verwinkelten schmalen Gässchen.






Am einen Ortseingang liegt das "Es Turò",


und das Spanferkel schmeckt wirklich vorzüglich. Zartes Fleisch, knusprige Kruste - so muss es sein.


Die Karte ist der internationalen Kundschaft gezollt: deutsch, spanisch, englisch und russisch findet man da. - Und prompt gesellt sich eine Reisegruppe auf die Terrasse, der dicke spanische Reiseleiter tönt temperamentvoll umher, und die schlaumeiernden Senioren schmunzeln. Genug Alliterationen für den Moment!
Nachdem mein Reiseführer die Straße zwischen Esporles und Puigpunyent ganz besonders schwärmt, fahre ich doch ein Stück der Küstenstraße hinab - und ich kann den Rezeptionisten verstehen. Manchmal ist es schon ein wenig kritisch, wenn einem ein LKW oder ein Bus entgegen kommt. Und auf Dauer ist die Serpentinenfahrerei ein wenig ermüdend - aber ich mag's ja eigentlich. Insofern erfreue ich mich der Sicht aufs weit unter mir befindliche Meer, das an die Felshänge geklebte Dorf Deià, die verdrehten alten Olivenbäume, die sich in den felsigen Grund krallen.


Unterwegs komme ich an zwei Schildern vorbei, die mir (lustigerweise in zwei Varianten - aber vielleicht ist das dem mystischen Charakter geschuldet) den Weg zum sagenumwobenen "Shangrila" weisen.


Oder, ein paar Hundert Meter weiter - an der nächsten Kreuzung - nach "Shangri-la". - Vielleicht unterscheidet sich der Weg auch je nach Mallorquin oder Katalanisch.


Das kann ich natürlich nicht unerforscht lassen. Aber der eine Weg führt sprichwörtlich ins Nichts - und der andere zu etwas, das wie ein Umspannwerk aussieht. Nun, vielleicht SOLL es einfach ein Geheimnis bleiben.
Die empfohlene Straße ist eher ein Sträßchen, aber das Hinterland von Mallorca zeigt sich durchaus von seiner besten Seite: von kargen Kiefernwäldern in der Höhe fällt der Blick ins fruchtbare Tal mit Weinreben und dem in Erdfarben gehaltenen Puigpunyent, das mir fast ein wenig zu geleckt daher kommt. Schade, dass man beim Selbst-Fahren doch vergleichsweise wenig sieht (außer, man macht sich nicht aus gefalteten Radlern als Kühlerfigur) - ich werde mich mal schlau machen, was an Wandertouren so alles geht. (Etwas, das nicht - wie bei den Radlern - auf Kampfwandern hinausläuft, dürfte angesichts der vielen Höhenunterschiede aber wohl schwer zu finden sein. Ich bin gespannt.)
Mein Weg führt auch vorbei an Galilea - aber ich lasse es rechts liegen. Ist wahrscheinlich eh keiner Zuhause.
Nach sechs Stunden lande ich wieder im Hotel und bin mir sicher, dass ich den heutigen Abend nicht bei der zweiten Hälfte der Halbpension verbringen werde - denn heute ist "Gala-Büffet" angesagt, und ich brauche definitiv keine "Traumschiff"-Atmo mit Inge Meysel und Sascha Hehn. Denn mit dem Zweiten sieht man NICHT besser! - Schließlich warten noch das "Orientalische Büffet" und das "Mallorquiner Büffet" auf mich. Und das will ich mir nicht entgehen lassen - vorausgesetzt, Trudi und Heinz kommen nicht mit Turban und Schleiergewand anstelle vom besten Anzuch und dem Abendkleid "Joan Crawford" von Karstadt.
WE FADE TO GREY
Okay, mit dieser an ein recht betagtes Liedchen erinnernden Kapitelüberschrift oute ich mich als alter Sack. Aber angesichts des vierten Tags auf Mallorca fällt mir nicht unbedingt etwas Originelleres ein.
Nachdem ich am Vorabend doch neugierig war, wie sich Dortmund im Gegensatz zu Ulis Bolzertruppe schlägt und mich angenehm erfreut im Irish Pub wiederfand - wo mich von hinten die kratzig-gutturalen Kommentare diverser Eidgenossen ein wenig an meine Heimat erinnerten - sieht es am heutigen Tag aus wie folgt:
München - sonnig, 23 Grad
Ritten (Südtirol) - sonnig, 20 Grad
Stockholm - leicht bewölkt, 14 Grad
Paguera (Mallorca) - Sturmböen und heftige Regenschauer, gefühlte 12 Grad
Dem ist nicht viel hinzuzufügen. Ich nutze die Zeit, um ein wenig für meinen neuen Job an der Datenbankstruktur zu werkeln. - Lediglich gegen Abend wage ich mich für zwei Stunden raus und stiefle zu den beiden Restaurants (wieder mal 100 Höhenmeter auf 2 Kilometern dank der Hügelküste), die mir der Reiseführer hier empfiehlt. Hauptspeisen ab 18 Euro, Tapas (EIN Tapa - EINE Portion) ab 9 Euro! - Ich beschließe, der Hotel-Halbpension eine zweite Chance zu geben. Diese wird jedoch größtenteils verspielt: irgendwie sind es immer die Hauptspeisen, die abfallen. Die Salate und kalten Speisen sind sowohl gut gewürzt als auch recht lecker. - Aber der erstaunlich leckere Zucchinisalat mit Apfel (gewagte Idee, aber wirklich gut!) und das kleine Stückchen toller Apfelkuchen zum Dessert wiegen den noch fast rohen Rosenkohl, eine Gemüsepaella, "verfeinert" mit gekörnter Brühe und eine dafür im Gegensatz völlig unterwürzte und kaum gegarte gefüllte Aubergine nicht auf. (Das Schnitzel "Wiener Art" wirkte zudem wie aus einer Schnitzelmaschine. Ich sage nur: "Tricatel"!) - Puh, schon wieder so eine Altherren-Insiderbemerkung. Liegt vielleicht daran, dass man mir aus unerfindlichen Gründen zum Abendessen eine Frau Mitte 50 mit an den Zweiertisch gesetzt hat. - Womöglich, weil ich die letzten zwei Abende versäumt und man nicht mehr mit mir gerechnet hatte. - Oder weil man denkt, ich sei so einsam. - HAHAHAHAHAHAHA! Örks. So weit isses schon! - Irgendwie gruselt mir sowohl vor dem "Orientalischen" als auch "Mallorquiner" Büffet. Aber ich bin ja grundsätzlich neugierig und verleihe auch mal zusätzliche Chancen.
Da weiß man, was man hat. Guten Abend.
YÜNG UND YÖNG
Es gibt Dinge, die man sich auch noch anschauen kann: zum Beispiel das Kloster Lluc, das sich in die Mallorquiner Berglandschaft schmiegt,


wo mit einem mal Hunderte von (deutschen) Busreisenden den Hauptplatz bevölkern und mit einem Schlag weder verschwunden sind...


wo Wehrgänge fotografiert werden...


wo außer ein paar ständig plappernden Spaniern niemand den Botanischen Garten besucht, der recht wild und improvisiert wirkt...


Oder doch charmant und verwunschen, vielleicht dank der "Dame des Waldes"?


wo man einen schönen, wenn auch dank Handyfoto etwas trüben Blick auf das bergige Umland hat.


Oder sind es die umfunktionierten Küchengeräte?


Auf dem Rückweg durch so manches terrassenbewehrtes Tal begegneten mir erneut gefühlt Hundertschaften von Midlife-Crisis-Kampfradlern oder sportfanatischen Alphamännchen.


Die einen radeln auf Malle, die anderen rauschen per Harley mit Thomas Gottschalk über die Route 66 und denken, sie wären Herr Steppenwolf persönlich.
Der halbstündige Gewittersturm auf meiner Rückfahrt veranlasste aufgrund seines Vehemenz so manche etwas ängstlicheren Autofahrer dazu, auf dem Autobahn-Seitenstreifen anzuhalten. Mit 60 kam ich jedoch umsichtig und vorsichtig genug an mein nächstes Ziel: das "DaiCa".


In diesem charmant gestalteten Natursteinhaus in der Kleinstadt Llubi, nahe Inca im Inselinneren, hat das junge Paar David und Caterina mit viel Mut und Idealismus ein "Petit Hotel" (ganze DREI Zimmer!) mit Restaurant eröffnet, auf das ich dank dem zuweilen freundlichen Herrn Internet aufmerksam wurde. Und für 30 Euro (Stand 2013) gibt es fünf Gänge moderner und lokaler mallorquiner Küche, die mich zutiefst erfreuen: zunächst - nach dem unglaublich superkross-duftigen französischen Landbrot (frisch aus dem Ofen) mit lokalem fruchtigen Olivenöl sowie zwei Sorten Fleur de Sel (einmal mit Oliven, einmal mit Kräutern aromatisiert) als Appetizer...


...einen Salat vom gegrillten Oktopus (noch NIE so einen zarten Oktopus gegessen!) mit Pinienkernen, hauchdünnen Blättchen von Schweinebratenkruste, etwas Pesto, Rucola und einem Stückchen mit Honig glasiertem Schweinebraten. Klingt etwas verwegen, harmoniert aber wunderbar - das etwas Deftige und zugleich Süße vom Schweinchen, die Grillaromen vom Tintenfisch, das Pfeffrig-Frische vom Rucola und dem Pesto...


...danach ein Hühnercanellono mit einer Pilzbéchamel (das Huhn mit seinem kräftigen Geschmack war sicher bio und passt prima zum "Waldig-Sahnigen" der Béchamel)...


...gefolgt von einem richtig kross auf der Haut gebratenen Stück Seehecht auf einem Oliven-Kartoffelstampf mit etwas Rucola...


...dann Stücken von gebratenem Ibericoschwein mit einer Feigen-Senfsauce an Auberginengemüse (das Schweinchen ist so edel, dass man es durchaus auch rosa belassen darf)...


...und am Schluss eine leichte Mascarponecreme mit Erdbeer-Macarons, frischen Erdbeeren und Mangostückchen (was ich trotz der erstklassigen Zutaten zu verspielt finde: der oben aufgestreute Veilchenzucker und die zwar intensiven, aber doch irgendwie seltsamen gefriergetrockneten Erdbeerstückchen waren für mich ein wenig too much).


Man kann erkennen: ich war und bin begeistert. So kann es gerne weitergehen. - Ich habe mir für morgen und übermorgen jedenfalls noch zwei Adressen notiert, die ich ausprobieren möchte. Je nachdem, wie das Wetter sich entwickelt - laut Vorhersage stehen die kältesten und unfreundlichsten Tage der letzten zwei Monate bevor: zwölf Grad und Schmuddel.
Na Mahlzeit!
EPILOG
Ich wäre tatsächlich erfreut gewesen, wenn der Wetterbericht einmal NICHT gestimmt hätte, aber während meiner letzten Tage auf Mallorca ist das Wetter bestenfalls als "durchwachsen" zu bezeichnen. Zu allem Überfluss raucht mir auch noch mein Notebook ab und gibt - zumindest angesichts meiner sehr eingeschränkten Möglichkeiten, mir aus dem allmächtigen Netzwerk Tipps für eine Operation am offenen Herzen zu besorgen - keinen Mucks mehr von sich. Und das, wo ich zuvor die wenigen Videoaufnahmen auf die Platte gespielt hatte. Somit beende ich meinen Reisebericht erst viel später.
Am vorletzten Tag gibt es außer meinen verzweifelten Rettungsversuchen kaum etwas zu berichten, denn das Wetter ist für Ausflüge wirklich nicht geeignet: immer wieder heftige Regenschauer, dazu ein stürmischer Wind - und das bei gefühlten 10 Grad.
Dennoch will ich mir etwas Gutes tun angesichts des Crashs, und daher schwinge ich mich in meinen Smart und fahre nach Andratx, eine kleinere Stadt in etwa 8 Kilometern Entfernung, ein wenig im Landesinneren gelegen. Dort soll sich ein Restaurant befinden, das mir vom damals noch quicklebendigen Herrn Internet empfohlen worden war. Es heißt "Meson Can Paco", und das, was ich dort vorfinde, ist ein weiteres kulinarisches Highlight meiner Reise.


Auf der Terrasse zeige ich mit einigen wenigen Gästen dem Schmuddel die Stirn.


Nach Konsultation meines Handywörterbuchs Englisch-Spanisch ordere ich je eine Vor-, Haupt- und Nachspeise von der "Tagestafel". Mit Englisch (oder auch Deutsch!) wäre ich hier wohl kaum weitergekommen - die etwas älteren Herren vom Service sprechen ausschließlich Spanisch, was auf eine Klientele hinweist, die angenehm untouristisch ist. Ich entscheide mich nach den Amuse Gueules, zu denen auch eine wirklich köstliche Aioli gehört, für fritierte Sardellen, Schweinelendchen mit Gemüse und einer Paté-Iberica-Sauce (man könnte fast ketzerisch sagen, die Sauce sei mit feiner Kalbsleberwurst gemacht worden) sowie einen luftigen Grieß-Flan mit Waldbeeren.






Und während der Regen gegen die Zeltüberdachung der Terrasse prasselt, geht in meinem Gaumen und Herzen die mallorquinische Sonne auf. Beste Landküche. Ehrlich, einfach und SAULECKER. - Als dann die Rechnung kommt, muss ich mich zurückhalten, nicht ZU breit zu grinsen: inklusive Getränk lande ich bei knapp 14 Euro. - Unfassbar.


Am nächsten Tag steht der Abschied von Schnurri an. Glücklicherweise ist es nicht mehr GANZ SO stürmisch und regnerisch, denn ich will nach der Rückgabe des Autos am Flughafen noch ein wenig Palma de Mallorca unsicher machen und dort auch in einem weiteren empfohlenen Restaurant zu Mittag essen.
Alles läuft reibungslos, keiner will den Wagen begutachten, und der Flughafenbus bringt mich an die Placa de Espana, von wo ich einen kleinen Rundgang unternehme.


Eine kleine Befürchtung regt sich zwischen meinen Ohren, und ich lenke meine Schritte zunächst zu dem nahe gelegenen Restaurant - und siehe da, Sonntags ist um die Mittagszeit geschlossen. Somit muss ich mir was Anderes suchen - doch alle Empfehlungen laufen darauf hinaus, dass das Mittagessen sonntags selbst in einer Großstadt wie Palma de Mallorca offenbar eher zuhause begangen wird: KEIN EINZIGES der Restaurants hat geöffnet. So bummle ich durch die Altstadt in Richtung der gotischen Kathedrale La Seu, einem der Wahrzeichen der Stadt.


Diese ist jedoch am Sonntag für Besucher geschlossen, und ich beschließe nach meinem Rundgang durch die diversen Gassen und Sträßchen, den Bus in Richtung Andratx zu besteigen, denn angeblich hat mein gestern entdecktes kulinarisches Kleinod heute geöffnet. Städte waren noch nie unbedingt mein Ding, aber ich muss sagen, dass Palma de Mallorca wirklich Charme hat.




Nach gut einer Stunde im Bus, wo ich wieder mal mit einer als Selbstverständlichkeit getarnten Dreistigkeit auf Deutsch angesprochen werde (man sollte ja schließlich nicht meinen, dass auf dieser Insel IRGENDJEMAND NICHT Deutsch spricht!), erreiche ich mein Ziel und sehe nun, wo die ganzen Leute sind: der Laden ist vollgepackt mit mallorquinischen Familien. Ich sehe mich angenehm bestätigt: dieses Gasthaus ist ECHT. Und so werfe ich einen freudigen Blick auf das Sonntagsmenü, das ausnahmsweise mal 17 Euro inklusive Getränk (Skandal!) kostet und entscheide mich für fritierte Sardinen mit gebratenen kleinen grünen Peperoni, die eine zarte, süße Schärfe mitbringen, ein butterzartes, hocharomatisches Stück von der im Holzofen gebratenen Lammschulter mit Kartoffelgratin und Gemüse sowie - eine Premiere - Crema Catalana (wenn ich nun schonmal quasi in Spanien bin). Erneut besticht die Küche durch ihren authentisch-rustikalen Ansatz - besser geht Landküche einfach nicht. - In Deutschland sucht man nach entsprechenden Äquivalenten oft sehr lange.






Mit einem zufriedenen Grinsen im Gesicht und wohligem Gefühl im Bauch werfe ich bei einem letzten Strandspaziergang anschließend noch einen Blick auf Paguera.


Mein Fazit ist klar: Mallorca ist eine Reise wert - die Insel ist schön, hat landschaftliche und kulinarische Höhepunkte zu bieten, und so lange man den allzu touristischen Ecken fern bleibt, nimmt man sicher viele schöne Eindrücke mit.
KontaKt
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