Ballaballa rambazamba q'aplah Maus (das war NICHT Maltesisch)

Kurzurlaub auf Malta, Frühjahr 2013

URLAUBREISENMALTA

Elmar Matzeit

2/26/202630 min read

Tag 1 - "Liebling, sie sprechen alle Klingonisch hier!"

"Ich will in ein Land, wo ich die Landessprache fließend sprechen und mich mit den Leuten austauschen kann!" - So viel zu meinem Vorsatz, während ich in einem maltesischen Bus sitze, der sich ums Verrecken nicht mehr in Richtung meines Hotels bewegen will - nun, da es zu allem Überfluss auch noch zu regnen begonnen hat. Und ich lausche den diversen Gesprächen zwischen dem Busfahrer, ein paar seiner auf der Straße stehenden und fuchtelnden Kollegen, diversen Polizisten sowie einigen offenbar einheimischen Fahrgästen. Ich lausche - und verstehe wieder mal KEIN WORT.

Doch eins nach dem Anderen - bevor ich einem Pferdehintern die Kandarre anlegen will! - Wer als geneigter (und geschätzter) Leser meiner vorherigen Abenteuerreiseberichte schon zuvor mehr oder weniger literarisch wertvoll beschrieben miterleben durfte, wie besagter Pseudo-Weltreisender sich stirnrunzelnd sowohl plötzlich geänderten Flughafen wie auch radebrechenden Eingeborenen gegenüber sah, wird sich nicht wundern: am Lusthansi/Air Malta-Gepäckschalter des Münchner Flughafens staunt mich die Dame am Computer nicht schlecht an, denn: "Reist noch jemand mit Ihnen?" - "Äh, nein. Warum?" - "Es ist noch jemand auf ihre Bordkarte registriert. Und die Person hat auch schon ein Gepäckstück aufgegeben." - "Das ist schön, dass ich unverhofft eine Reisebegleitung habe", schmunzle ich, "Ist es hoffentlich eine nette Dame?" - Die Gepäckfrau schafft tatsächlich auch ein Lächeln: "Ich denke, ja. Sie hat offenbar gleichzeitig mit Ihnen gebucht." - "Nun, das müsste ich wissen, wenn ich zu dem Zeitpunkt Damenbesuch gehabt hätte. - Wenn ich mir schon einen Sitzplatz mit ihr teile, würde ich sie aber gern zuvor kennenlernen." - Aus dem Lächeln wird ein Grinsen. "Ich kann nicht erkennen, was da schief gelaufen ist. Aber nachdem Sie Herr M. sind und die Bordkarte auf Sie lautet, nehme ich die andere Buchung raus. Dann wird man sich eventuell beim Check-In nochmal an Sie wenden." - Ich zucke mit den Schultern: "So lange ich nicht verhaftet werde und sowohl mein Gepäck als auch ich wohlbehalten in Malta ankommen, habe ich damit kein Problem, wenn man mich anspricht." - Ich bedanke mich bei ihr und begebe mich schmunzelnd und mit leichtem Parkinson zur Sicherheitskontrolle.

Zuvor hatte der Tag auch nicht wirklich prickelnd begonnen: nachdem ich noch schnell das Rezept für Blutdruckpillen von meinem stets tiefenentspannten All-in-one-Doktor (er ist auch zugleich seine eigene Sprechstundenhilfe und Bürokraft) abholen konnte, war ich nach der SECHSTEN Apotheke leicht angenervt, als man mir eröffnete, dass dieses Medikament leider nicht in der von mir benötigten Stärke vorliege. Wahrscheinlich habe alle anderen MEHR Blutdruck als ich. - Selbst an der Flughafenapotheke begegnete man meiner bereits leicht stoisch eingefärbten Frage mit einem Kopfschütteln. Ab sofort bestelle ich alles nur noch online. Sollen sie doch sehen, wo sie bleiben! (Davon abgesehen: warum braucht Pasing allein acht Apotheken?) - Ich werde mir für die letzten drei Tage meiner Reise anders behelfen - du, liebes Reisetagebuch, wirst sicher pflichtbewusst all meine aufkommenden Zipperlein, epileptischen Arschverkrampfungen oder Verfärbungen diverser Körperteile für alle Hinterbliebenen dokumentieren.

Tatsächlich werde ich beim Check-In aufgerufen, aber die Sache hat sich schnell geklärt: bei mir stimmt alles, die anderen (ein älteres Ehepaar - ein Dreier wäre mir da eh nicht wirklich recht gewesen!) waren irgendwie doof und glotzen nun genau so aus der Wäsche. Aber sie fliegen mit, und ich bin sogar noch so nett, mit dem Mann den Platz zu tauschen, damit er neben seinem Weibchen sitzen darf. - Mein Samaritertum kennt manchmal keine Grenzen!

Dafür sitze ich nun neben einem jüngeren Holländer, der die wirklich schnuckelige Blonde am Fensterplatz anspricht und schon in Kürze auf Englisch zutextet. Ich ärgere mich ein wenig, dass mir diese Gelegenheit verwehrt bleibt, denn sie macht nebenbei auch noch einen netten und lustigen Eindruck. Aber sie ist weder seine noch meine Altersklasse, vermute ich. Und nachdem er auch noch ihre Anstalten, ein wenig schlafen zu wollen, mit diversen Schlaumeiereien ignoriert, läuft in der zweiten Hälfte des ziemlich ereignislosen Flugs nicht mehr viel Konversation.

Schon während der dreisprachigen Ansagen werden wir Reisenden darauf aufmerksam gemacht, dass es in ein Land mit einer GANZ eigenen Sprache geht. Irgendwie scheint Maltesisch ein paar Brocken aller Inselbesucher und -besatzer widerzuspiegeln - hier ein wenig Italienisch, dort einiges, das wie Arabisch wirkt... ob noch Mittelhochdeutsch und Griechisch eine Rolle spielen, vermag ich nicht rauszuhören. - Ich versteh jedenfalls bis auf einige Brocken, die ich mir zusammenreimen kann, nur Klingonisch.

Der Meister der Kaaskunst schafft es auf den letzten Metern tatsächlich noch, der holden Blonden die Handynummer abzuluchsen (wobei es da aber irgendwelche technischen Probleme mit dem Nummernabgleich zu geben scheint). Ich stehe schon im Gang und werde mehr oder weniger rausgedrängelt - wobei sie mir jedoch mehrfach lange Blicke kombiniert mit einem Lächeln zuwirft, was mich erfreut und gleichzeitig latent verwirrt. - Draußen in Zubringerbus begegnen wir uns wieder, und nachdem ich ihr gegenüber den Vorteil der Muttersprache besitze (sie kommt auch aus Bayern), quatschen wir noch ein wenig - wobei sie mir anvertraut, dass ihr der Holländer irgendwie auf den Sack ging, weil er so aufdringlich war - und ich traue mich daraufhin, ihr vorzuschlagen, dass wir uns doch mal zusammentelefonieren könnten. Schließlich macht sie ein längeres Praktikum und war schonmal fünf Wochen lang hier - und kennt sich somit wesentlich besser aus als ich. - Jedoch verdrückt sie sich bei der Gepäckausgabe verdächtig schnell (Taxi teilen war keine Option, weil sie wohl von Kollegen abgeholt wird) - und als meine SMS, die ich an die von ihr angegebene Nummer geschickt hatte, unbeantwortet bleibt, entdecke ich mit scharfem Verstand, dass man mir wohl zum ersten Mal in meinem Leben eine falsche Handynummer mitgeteilt hatte. - Für alles gibt es eine Premiere.

Voller freudigem Erstaunen erfahre ich, dass - entgegen der Info des Hotels auf deren Webseite - eine direkte Busverbindung vom Flughafen bis zu jener Bucht existiert, wo ich für die nächsten sieben Tage logieren werde. Und meine Freude ist noch größer, als mir der gleichgültige junge Mann am Schalter der Busgesellschaft eröffnet, dass ein 7-Tages-Ticket für alle Busse auf Malta glatte 12 Euro kostet. Not bad, denke ich mir halbwegs landestypisch.

Nach kurzem Suchen finde ich auch den passenden Bus, wo sich mir gegenüber eine hübsche junge Frau mit offenbar französischem Akzent platziert. Sie scheint ein wenig verloren - und meine Ritterlichkeit mündet in einem dreisprachigen Austausch zwischen uns, denn sie spricht neben Französisch (sie kommt aus Belgien, heißt Alison und arbeitet für eine Firma, die Auslandspraktika für Jugendliche vermittelt) auch noch passabel Deutsch und Englisch. So radebrechen wir uns bis zum Beginn dieses ersten Tagesberichts - der Bus gurkt, sämtliche Fahrpläne und dort angegebenen Haltestellennamen ignorierend mit oft halsbrecherischer Eleganz durch Schlaglöcher, vorbei an Palmen und von leicht klassizistisch-morbidem Charme angenagten Häusern - und hält nach einer knappen Stunde irgendwo in der Nähe unserer beider Unterkünfte. Nach einigen Takten Klingonisch um uns herum fragen wir den Busfahrer nach unseren Zielorten, und beides scheint in Fußlaufnähe. Und tatsächlich entdecke ich nach hundert Metern schon mein Hotel, das imposante "Le Méridien", das über der Balluta Bay thront.

Ich verabschiede mich von Alison, die noch weiter suchen wird - in dem fast schon sicheren Wissen, dass sie mich wohl nicht anrufen wird. - Aber einen Versuch war es wert. Allein auf Malta ist weniger lustig als in Gesellschaft. Und vielleicht kann ich tatsächlich etwas dagegen tun, wenn ich schon keine Begleitung gefunden habe.

Das Hotel ist GROSS. Elf Etagen, aber wenigstens nicht in einem Stil, der nicht in die Umgebung passen würde.

Die Rezeption ist im dritten Stock,

zudem gibt es noch eine Bar, ein Restaurant, einen Fit- und Wellnessbereich - und alles ist edel und stilvoll eingerichtet. Nicht umsonst nennt man sich eins der ersten Häuser auf Malta. Das Zimmer ist sehr geräumig und verfügt sogar über eine Terrasse, von der ich einen tollen Überblick über die kleine Bucht habe.

Wenn das Wetter weniger regnerisch ist, dürfte das eine coole Sache sein. (Für einen Romantikurlaub sicher bestens geeignet, falls man jemanden zum Romantisieren hat.)

Ich relaxe noch ein wenig und begebe mich angesichts der Happy Hour zur Hotelbar - die Drinks sind zwar halb so teuer wie normal, aber nachdem dies ein Fünfsternehaus ist, heißt das: Münchner Preise. Während der Happy Hour!

Daher wird mich die Bar wohl eher selten sehen, denn mein Goldesel ist schon seit einiger Zeit beim Veterinär. Wegen akuter Verstopfung.

Der Cider schmeckt, das Personal wirkt gelegentlich ein wenig wirr, wenn auch zumeist aufmerksam und zuvorkommend. Und mir fällt auf, wie manche Leute den Status, den sie sich selbst in einem so exklusiven Haus zurechnen, dazu nutzen, sich gegenüber den Bedienungen und Barkeepern als Darmausgang zu empfehlen. Alles scheint hier an Nationalitäten vertreten zu sein: von meinem angenehm prominenten Sitzplatz an der Bar vernehme ich Akzente aus Dänemark, England (klar!), Israel, Russland (auch klar!), Deutschland... ein etwas klugscheißerischer Landsmann echauffiert sich darüber, dass der deutsche Schnaps hier eisgekühlt wird. - Nach seinem (irgendwie schon gerechtfertigten) Vortrag, dass Fruchtschnäpse nur bei Zimmertemperatur ihr volles Aroma entwickeln, gießt ihm der Barmann unbeobachtet einen Bols ein - und ich amüsiere mich über das danach entstehende Gespräch: "Ju kähn't DUH sätt! - Batt okeh, its no problem nau. Batt sis is no Schnaps, its ä LICKER!"

Die Bar mit dem euro-kosmopolitisch angehauchten Namen KuDéTa (einfach mal in ein paar Sprachen aussprechen und mit der Betonung spielen, wenn's nicht auf Anhieb klingelt) bietet neben einer klassischen Bar-Food-Karte auch den Service, sich einen Wunsch-Burger zusammenzustellen. Ich kreuze die von mir gewünschten Inhaltsstoffe an und hoffe, dass der Küchendruide daraus etwas Verzehrfreudiges zaubert. Und nach zwanzig Minuten kommt tatsächlich ein Burger bei mir an, der zwar lauwarm ist - dafür aber mit allem versehen, was ich mir wünschte (ich wollte erstmal ne Classic-Variante, bevor ich Experimente wage). Und lecker. - Kann man kaum besser selbst machen. - Mit 14 Euro ist das Ganze auch noch bezahlbar.

Weitere Begegnungen: zwei Deutsche, die relativ lautstark über die "Malta-Mafia" tönen im Vorübergehen. Das Barpersonal ringt sich ein bemüht-höfliches Lächeln ab. - Als nächstes: eine Liliputaner-Omi, die auf jüdischen Background schließen lässt angesichts ihres Slangs. Sie fragt um zehn Uhr abends glatt nach einem Cappucino und "cake". Nachdem sie mit der Auswahl ein wenig unzufrieden scheint, erbarmt sich einer der Barkeeper und holt ihr tatsächlich eine Tüte maltesischer Kekse und bietet ihr an, sie könne sie auch mit auf ihr Zimmer nehmen, sie seien ein Geschenk. - Diese Geste finde ich überaus charmant und begebe mich nach ein wenig virtuellem Austausch mit lieben Daheimgebliebenen in mein Zimmer - nicht, ohne zuvor noch auf einem der Bar-Fernseher stumm einem kurzen Bericht über die Weltmeisterschaft im Kohleschaufeln beizuwohnen. - So beschließt man gerne den Tag.

Tag 2 - They call it Stormy Friday

Die diversen Strongbows (allerdings wohl in den kleinsten erhältlichen Flaschen der Welt) haben zwar zu Bettschwere beigetragen, aber dennoch bleibt es mir an meinem ersten Morgen in Saint Julian's verwehrt, länger als bis fünf Uhr dreißig zu schlafen. Nun denn, ich trödle ein wenig herum und begebe mich dann um Sieben in den zweiten Stock, wo das Frühstücksbüffet auf mich wartet. Dort ist für jeden etwas zu finden: Säfte, Müslikram, Herzhaftes, Obstiges, auch ein Onkel, der einem Eier so macht, wie man sie mag: als Omelette oder gespiegelt. Ich stelle mir meine eigene maltesisch-internationale Kombo zusammen, umgeben von Japanern, die zuvor in Lobby, Bar und Hotel irgendwie komplett unsichtbar geblieben waren. Ob irgendwo Karaoke lief?

Der Tag wirkt weniger regnerisch als eigentlich angesagt, und so mache ich mich erstmal zu Fuß auf den Weg, entlang der Küstenstraße. Der Wind ist kräftig, und ich bin dankbar für meine Windjacke, wenn mir das T-Shirt fast ein wenig zu frisch scheint - aber: nur die Harten undsoweiter.

Mein Weg führt mich vorbei an gischtumpeitschten Piers und neuen wie alten Häusern, die auch wie schon in Sizilien jenen südländischen Hauch von Morbidität ausstrahlen. - Obwohl ich mir eine Inselkarte kaufe, erschließt sich das Straßengewirr und die diversen aufeinander folgenden Buchten nicht auf Anhieb, aber schließlich finde ich mich in der Bucht von Sliema wieder, wo man auch nach Valletta übersetzen kann.

Bei diesem Seegang scheint aber kein Wassertaxi zu verkehren - hat wohl keiner Lust, nach jeder Tour die Kotze wegzuwischen. Ich entdecke nach zwei Stunden entlang der mäandernden Küstenlinie diese erleuchtenden Erläuterungen. - Aha. - There be Klingons.

Eine Abkürzung bringt mich zurück zur Balluta Bay, und ich komme rechtzeitig dort an, bevor sich der Himmel verfinstert und sogar ein wenig Graupel von sich gibt - nicht bevor ich noch in der Nähe ein Pub mit dem passenden Namen "Muddy Waters" entdecke. Dort spielt wohl am Sonntag (St. Patrick's Day für alle Irlandophilen) Livemusik. "Colourblind" nennt sich die Kombo. - Ich glaube, die schaue/höre ich mir an! - Ob die dann "Stormy Sunday" spielen?

Nachdem ich meine Erlebnisse des ersten Tags zu Computer gebracht habe, tausche ich mein T-Shirt nochmal gegen den "Sons of Anarchy"-Kapu. Ab morgen soll's aber wettertechnisch sowohl wärmer als auch freundlicher werden. Daumen gedrückt!

Nachmittags mache ich mich erneut auf in Richtung Sliema, nachdem ich ja nun einen etwas direkteren Weg kennengelernt habe und mir für die nächsten Tage etwas zu Trinken besorgen will (präferiert: meine Lieblingskombo Grapefruit-Schorle). Immer wieder überraschen mich kleinere Regenschauer, und es ist nach wie vor stürmisch - doch auf meinem Weg ist in keinem der kleinen Läden Grapefruitsaft zu finden. Alles Mögliche, von Pfirsich über Traube und die Classics Apfel und Orange - aber nicht das, was ich suche. Schließlich werde ich - gestärkt durch ein paar selbstgemachte Pies, gefüllt mit sowas wie stark eingedicktem, etwas langweilig gewürztem Erbseneintopf - in einem der Läden fündig und mache mich zusammen mit einem Sechserpack 1,5-Liter-Flaschen Wasser auf den Rückweg. Auf halbem Weg (die zwei Kilometer sind in etwa 20 Minuten zu schaffen) fällt mir ein, dass ich das Wasser auch nicht hätte schleppen, sondern erst jetzt in einem der zuvor verschmähten Läden kaufen können. Hinterher ist man immer schlauer. - Und um diese scharfsinnige Beobachtung noch zu untermauern, entdecke ich auf einem späteren Spaziergang, der mich in die andere Richtung und anschließend in das kleine "Muddy Waters"-Pub führen sollte, einen Supermarkt mit riesiger Lebensmittelabtteilung nur 300 Meter vom Hotel entfernt. - Hätte ich mal besser jemanden gefragt, der sich damit auskennt.

Es ist noch recht früh am Abend - Viertel nach Sechs - und es sind nur vier weitere Gäste in dem dunklen kleinen Laden.

Der Wirt, ein Malteser, der irgendwie nach Schotte klingt, erzählt mir im Laufe des Abends, dass er zunächst eher Gast und stiller Teilhaber war während seiner Zeit als Öl-Rigger, aber dann hatte er vor fünf Jahren das Pub übernommen. Er ist Überzeugungstäter: die Playlist beinhaltet Titel, die man in München sehr selten zu hören kriegt mittlerweile - von Rammstein und Steely Dan über AC/DC, Ozzy, Jethro Tull und Aerosmith ist alles dabei, was man sich an klassischem Rock und Hard Rock wünschen kann - auch ein paar Bluesnummern sind dabei, um dem Pubnamen gerecht zu werden. Wir unterhalten uns über AC/DC und den Malteser "Krokus"-Sänger Marc Storace, der beinahe statt Brian Johnson als Sänger ausgewählt worden wäre. Der Mann hat's seitdem sicher im Genick - bei all den Versuchen, sich täglich in den Arsch zu beißen.

Der Cider schmeckt, der Laden füllt sich auch ein wenig, die Musik ist prima.

Nur das Klo ist etwas, das man wohl unter dem Thema "Rock'n'Roll" verbuchen muss. Wenn man den Atem anhält, geht's.

Ich freue mich schon auf das Konzert dort und pilgere wieder gen Hotel, wo nach einem letzten Blick nach draußen auf die Bucht mein Bett auf mich wartet.

Tag 3 - Buster und Testikel

Der freundliche Eiermann am Frühstücksbüffet versorgt mich mit drei perfekt gebratenen Spiegeleiern, die Würstchen sind britisch (aromatisiertes Sägemehl), der koffeinfreie Kaffee ist DEFINITIV NICHT von Illy, mit denen man hier im Hotel einen Vertrag zu haben scheint - Tag 3 kann kommen!

Noch immer ist es recht wechselhaft und stürmisch, und ich beschließe nach dem Frühstück, im Spa nach einem Massagetermin zu fragen. Kein Problem, um halb Zwölf wird mich eine Dame in Empfang nehmen - ich habe mich für eine MasseurIN entschieden, nachdem man diese Frage gestellt kriegt.

Im Bademantel lasse ich mich sodann eine Viertelstunde vorher von einem der Mitarbeiter des Wellnessbereichs durch die Anlage führen - wie überall in dem Hotel wurde an Platz nicht gespart: alles ist recht weitläufig, stilvoll und großzügig ausgestattet. Ein großer Warmwasserpool, Sauna und Dampfbad, wo ich mich schonmal vorwärme.

Der Massagebereich liegt eine Etage höher, und ich werde von Dominique empfangen. Sie ist jung, Holländerin und lernt gerade Englisch auf Malta, wobei sie sich ihren Kurs und Aufenthalt durch Arbeiten im Spa verdient. Praktisches Arrangement, das. - Die Massage ist okay, wenn auch wieder mal (trotz des dynamischen Namens "Stress Buster") eher sanft. Zur Entspannung trägt auch nicht bei, dass meine kleine Kaaskunst-Masseuse immer wieder von Hustenreiz geplagt wird und einmal sogar den Raum verlassen muss, um einen Schluck Wasser zu trinken. - Es wird wohl bei dieser einmaligen Erfahrung bleiben. In München sind meine Chancen auf eine gute Massage höher. Und mit 85 Euro für knapp eineinhalb Stunden war es auch nicht unbedingt ein Schnäppchen.

Nachdem mein "stress" und glücklicherweise nicht meine "balls" gebustet sind, wende ich meinen Weg in Richtung Saint Julians - jenem Viertel, das vor allem durch die Amüsiermeile "Paceville" (der erste Wortteil ist lateinischitalienisch auszusprechen - obwohl es dort abends nur sehr selten "friedlich" zugehen dürfte) Bekanntheit erlangt hat. Der ursprünglich nigerianische Concierge hat mir zwei Restaurants empfohlen, als ich ihn nach authentischer maltesischer Küche fragte. Zwar macht er mir das Angebot, bei den Restaurants telefonisch anzufragen, aber ich will ja eh die Gegend erkunden - daher führt mich mein Weg in die nächstgelegene Sinola Bay, wo die touristischen Ausläufer von Paceville bereits zu spüren sind: dort ein McDonalds, da ein Burger King, dazu noch ein Pizza Hut, es reiht sich Spezialitätenrestaurant an Spezialitätenrestaurant. Mitten im eigentlichen Paceville nehmen Bars und Kneipen überhand - vom "Nordmann" bis hin zu "Pagoda", "Bavaria" und "Cork Inn"... zudem buhlen Sportbars und "Gentlemen's Clubs" mit Plakaten und lautem Fußballgetöse aus den Lautsprechern schon um die Mittagszeit um die Aufmerksamkeit argloser Passanten.

Das erste empfohlene Restaurant ist ein preislich sehr gehobener Italiener. Pasta ab 9, Hauptgerichte ab 18 Euro. Und: Mittags geschlossen. Kein Verlust, denn teuer MUSS ich nicht essen. - Gut wäre schon ausreichend. - Wenigstens kriegt man in Saint Julian's auch... - Genau.

Den zweiten Laden hatte ich schon auf dem Hinweg nicht gefunden - er stellt sich später als ebenfalls nicht wirklich preiswerter Italiener heraus. Hatte mich der Onkel missverstanden, als ich von "Maltese cuisine" sprach? - Stattdessen berufe ich mich auf eine Empfehlung eines Freundes, der auf seinen Montagejobs in der Weltgeschichte herum kommt und auch einen Sinn für gutes Essen hat: in der Paceville Street finde ich das "Gozitan", und die Karte sowie das Restaurant gefallen mir.

Ich entscheide mich für "Pan-fried Rabbit" - Kaninchen ist eine lokale Spezialität - die charmante Bedienung bringt mir zuvor erst noch Malteser Brot, das mich mit seiner luftigen Krume und knusprigen Kruste an klassisches Bauernbrot von zuhause erinnert. Dazu Butter mit getrockneten Tomatenstückchen. Als ob das nicht reichen würde, bringt sie mir noch einen kleinen Vorspeisenteller mit je einer Thunfisch- und Bohnenpaste sowie eingelegten Kapern, Oliven und Tomaten. Das Eingelegte ist mir zu salzig, aber der Rest schmeckt vorzüglich. - Und auch das Kaninchen ist prima, der nussige Geschmack des mitgeschmorten Knoblauchs passt sehr gut dazu.

Und als Ninu (oder Nina, mein Georgisch ist nicht SO gut) mir die Rechnung bringt, bin ich zugleich erfreut und überrascht, dass die Vorspeisen wohl aufs Haus gingen. Ebenso wie der Limoncello, der mir noch kredenzt wird. - Der Laden ist definitiv eine Empfehlung wert. Nicht superbillig, aber wirklich gut. (Vielleicht sollte man in einem Fünfsternehotel nicht unbedingt nach vergleichsweise günstigem Essen fragen. Seltsamerweise hatten die malteser Hotelangestellten irgendwie NOCH weniger Ahnung von empfehlenswerten Restaurants als mein im Gegensatz zu den oft latent angenervt wirkenden Einheimischen stets breit grinsender nigerianischer Freund.)

Auf dem Rückweg prüfe ich noch ein paar Möglichkeiten, das 6-Nations-Rugby-Finale zwischen England und Wales in einem Pub anzuschauen. Nachdem schon vorher das Spiel Italien-Irland läuft, sind einige der Pubs voll, das britische um die Ecke des Hotels mag zwar das älteste Pub in Saint Julian's sein - aber es ist erstens recht klein und verströmt zweitens mit seinen Tischen und Stühlen aus gebürstetem Edelstahl plus Plastik den Charme einer 70er-Jahre-Küche in einem Londoner Reihenhaus.

Ich parke Rucksack und Fotoapparat im Hotel, lege noch kurz die Füße hoch und mache mich dann auf in Richtung Rugby. "Dubliner": voll. "Ryan's Pub": kein Pub, sondern ein leerer und ziemlich seltsam wirkender Club mit großer Tanzfläche, einigen herumgammelnden maltesischen Jugendlichen (die Mädels alle in Schwarz, zumeist kleinwüchsig und rauchend bzw. handyplappernd) und nur einem Fernseher, auf dem kein Sport läuft. "The Scotsman" ist ein Volltreffer.

Ich ergattere noch einen Sitzplatz an der Bar - und das Spiel erweist sich als superspannend und rasant. Testosteron pur - und nachdem hier kaum Engländer verweilen, wird mitgefiebert und -gejubelt, denn Wales zieht England mit sensationellen 30:3 ab. Fußball und American Football wirken dagegen wie Männer in rosa Tütüs beim Balletttanz.

Beim Rückweg ist auf den Straßen schon einiges los - zur Hauptsaison muss man in Paceville wohl starke Nerven haben. Oder zumindest eine hohe Toleranz gegenüber besoffenen Briten und anderen zumeist Jugendlichen auf Spaß-Tour. ODER einen mindestens ebenso hohen Pegel, damit einem das Ganze nicht auffällt. - Tag 3: check.

Tag 4 -Heiliger Pätrick, schütze uns!

Wenn man bereits um elf Uhr morgens Menschen mit seltsamen grünen Hüten begegnet, die offenbar schon mehrfach dem sündigen Alkohol zugesprochen haben und herumfuchteln und -kreischen, ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass man sich an einem anglo- äh... irophilen Ort befindet, wo soeben das Fest des Heiligen Sankt Patrick begangen wird - des Schutzpatrons der werdenden oder professionellen Alkoholiker.

Doch eins nach dem Anderen: nachdem ich nun schon den Großteil der näheren Umgebung per pedes erkundet hatte, will ich meinen Dunstkreis ein wenig erweitern und zu diesem Zwecke einen Bus-Tag einlegen. Nachdem ich ja mit dem wirklich großartigen 7-Tages-Ticket an jeden Ort der Insel kommen könnte, lasse ich mich vom Fahrplan der Bushaltestelle nahe des "Le Méridien" inspirieren - und die beiden vielversprechendsten Ziele sind der Fährhafen nach Gozo oder Bugibba, die etwas weiter im Norden liegende Küstenstadt. Ich überlasse die Auswahl dem Schicksal: der zuerst ankommende Bus soll mein Gefährt werden. Und es ist die 12. Nach Bugibba. Zumindest laut der Anzeige am und im Bus. - Glücklicherweise hatte ich mich schon aufgrund der vorherigen Erfahrungen mit dem kreativen Bussystem Maltas auf "Gelassenheits-Modus" eingestellt, was mir in diesem Fall auch zugute kommt. Denn prompt hält der Fahrer am "Pembroke Park & Ride" und verkündet den Mitreisenden, dass die Fahrt nun zuende sei. Ein jüngerer Gast informiert sich daraufhin auf Klingonisch, was Sache sei - und ein älterer Herr offenbar britischer Herkunft macht seinem Unmut Luft durch die Redewendung "Like taking a piss in a brewery." und dem Wort "disgrace", wovon sich aber die anwesenden Busfahrer nicht beeindrucken lassen. Schließlich haben sie die Anzeige zwischenzeitlich auf eine andere, neue Route geändert - und somit ist in ihren Augen alles prima. - Glücklicherweise ist die nächstgelegene Haltestelle nach Bugibba nur wenige Minuten zu Fuß entfernt, und nach kurzer Wartezeit trifft schließlich auch der richtige Bus ein und kurvt mich und die anderen Reisenden mit gekonnter Schlagloch-Auswahl zum Ziel. Während der Fahrt frage ich mich, ob ein gewisser Herr Muskat entweder sehr fruchtbar oder sehr unbeliebt ist.

Bugibba wirkt nicht ganz so laut wie Saint Julian's, was auch am Sonntagvormittag liegen könnte - und es sind doch viele Leute unterwegs - Touristen wie Einheimische, die sich auch am Pier auf einen kleinen Snack niederlassen.

Wirklich Bemerkenswertes entdecke ich auf meinem kleinen Rundweg durch die Stadt nicht, und ich überbrücke die Wartezeit auf den nächsten Bus mit einem Pint "Strongbow" im "Knickerbocker Café", wo mich BEINAHE leichte Heimatgefühle überfallen. Aber nur beinahe, denn der Teufel steckt im Detail.

Next destination: Valletta, die Inselhauptstadt. Eine Stunde Fahrt entlang der Küstenlinie und vorbei am Yachthafen führt mich vor das Stadttor, das nicht nur von einem recht imposanten Brunnen, sondern auch den Spuren der momentan stattfindenden Renovierungsarbeiten geprägt ist.

Die Stadt selbst ist schon imposant durch ihre riesige Festungsanlage und die schmalen Straßen und Gassen, die nur wenig Sonne zulassen. - Selbstschutz im heißen Sommer, wahrscheinlich.

Zweimal quatschen mich Kutscher an, die mit ihren hochglanzpolierten Einspännern um Kundschaft buhlen. Aber zu Fuß komme ich besser die Treppen hoch und runter als mit so einem Ding. Ich suche nach einem Fischrestaurant, das mir empfohlen wurde - und schließlich finde ich es auch etwas oberhalb des Fährpiers gelegen. Doch ich bin schon sehr spät dran, und der Fisch in der Vitrine ist mir ein wenig zu lange tot, um mich zu erfreuen. Zudem bin ich, wenn ich viel unterwegs bin, nicht unbedingt hungrig. Die Fähre schippert mich - nachdem ich noch einem einzelnen Angler und dessen Kampfhund (er heißt wahrscheinlich "Zerberus") bei seiner Beschäftigung zugeschaut habe, in zehn Minuten gegenüber nach Sliema, vorbei an der in der Hafenmitte gelegenen Insel mit dem imposanten Fort.

Ob es nun an dem Schutzheiligen der Trunkenen oder am Sonntag liegt: selbst der dritte Bus, der an meiner Haltestelle eintrifft, ist vollgestopft bis unters Dach. Also beschließe ich den Fußweg - schließlich sind es ja nur 20 Minuten. Und ich werde auf neuen Wegen belohnt durch eine kleine Pastizzeria, wo ein offenbar aus Italien stammender Opi seine herzhaften, zumeist aus Blätterteig bestehenden Backwaren anbietet - wie so viele hier auf Malta. Die Variante mit Spinat, ein wenig Hackfleisch und Peperoncini erfreut meinen Gaumen, denn ich habe beschlossen, heute Abend etwas "Richtiges" in der Nähe des Hotels zu essen. Ich bin ein wenig misstrauisch gegenüber den Empfehlungen der Hotelangestellten, denn ich habe den Verdacht, dass man primär etwas entfernter gelegene (und teurere) Lokale empfiehlt, um sich selbst, beziehungsweise dem angegliederten Restaurant keine Konkurrenz zu machen. Außerdem wird mir klar, warum es vielleicht nicht unbedingt schlau ist, sich hier in der Gegend auf einen Drink in "Tony's Bar" zu verabreden.

Nein, ich meinte "Tony's Bar"!

- Ach so. DIE!

Meine Wahl für das apostelfreie Abendmahl fällt auf das "Peperoncino", ein angenehm und stilvoll rustikal eingerichteter Italiener in fünf Minuten fußläufiger Entfernung. Draußen haben sich Unmengen St.-Patricks-Jünger auf der Straße und dem kleinen Platz versammelt, worüber die Restaurantbesitzer nicht sonderlich erfreut zu sein scheinen - denn so traut sich kaum jemand in ihren Gastraum. Sie dürften sich wundern, wenn im nebenan gelegenen "Muddy Waters" um Acht die Coverband loslegt.

Man empfiehlt mir "suckling pig", in anderen Worten "geschmortes Spanferkel", und ich folge der Empfehlung. - Zu Recht, denn das von der knusprigen Kruste gekrönte Schulterstück ist perfekt gegart, butterzart und sehr lecker - auch das Gemüse sowie die mediterran abgeschmeckten Röstkartoffeln sind ein Gaumenschmaus. - Für 15 Euro kann man kaum besser essen.

Anschließend schaue ich noch ins "Muddy Waters", aber die Band ist leider nicht annähernd das, was ich erhofft hatte: es handelt sich um eine eher zweit- bis drittklassige Rock-Coverband, die sich an "All along the Watchtower" die Finger verbrennt. - Auch die Stimmung ist nicht wirklich umwerfend, daher beschließe ich, den Abend nach der wirklich erfreulichen kulinarischen Entdeckung ganz entspannt auf meinem Zimmer ausklingen zu lassen.

Tag 5 - Faulsein als Tugend?

Ob es nun das späte Ferkel war, die Unwellness-Bazillen der Masseurin, die in der letzten Zeit oft schon zwischen vier und fünf Uhr beendete Nacht oder die Tatsache, dass ich seit meiner Ankunft bis auf jene zwei Stunden Auszeit kaum wirklich Ruhe und Entspannung gefunden hatte - am fünften Tag Inselurlaub geht mir ein wenig die Luft aus. Ich bin morgens schon ziemlich unfit, lasse das Frühstück selbiges sein, da ich keinen wirklichen Appetit habe und kaufe stattdessen im nahe gelegenen Supermarkt etwas Knabber- und Süßkram für schlimmere Zeiten. Dort staune ich angesichts der Vielzahl an Chips und Corned Beef - ich hatte während meines Englandbesuchs nicht darauf geachtet, aber in einem deutschen Supermarkt ist SO eine Vielzahl an gewolftem Rind und frittierten Kartoffelscheiben sicher nicht zu finden. Ich werde jedenfalls ein paar britische "Leckereien" für meinen Rückflug einpacken, wenn es meine Reisetasche zulässt. Zunächst versuche ich mich noch an einem lokalen Softdrink namens "Kinnie", der nichts mit einem König bayerischer Mundart zu tun hat, sondern so schmeckt wie diese alkoholfreien italienschen (Bitter-)Aperetifs, nur eben mit Pups drin. - Wer's haben muss...

Feststofflich gestärkt durch einen Vertreter der beinahe überall erhältlichen Pastizzi (mir kommt das gelegener als das Frühstücksbüffet) lenke ich meinen Weg wieder in Richtung Hotel und lasse mir dort einen Espresso kommen.

Danach will ich meinen Weg in Richtung des "Gozitan" lenken, da dies bislang die Kombination aus Nina/Ninus Freundlichkeit und dem angenehm knofeligen Malteserkarnickels die positivste kulinarische Begegnung bislang war. Doch Potzblitz! Der Hase hat das Panier ergriffen, das Lokal ist geschlossen. Ich streunere weiter durch Paceville, aber nachdem ich schon etwas irgendwie Maltesisches essen möchte, bewege ich mich wieder in Richtung des Hotels, denn dort soll laut dem freundlichen Herrn Internet ein zumindest maltesisch angehauchter Italiener die Löffel schwingen. - Doch dieser Vertreter seiner Kunst hat - wie viele seiner Kollegen - mittags zu. - Das nebenan gelegene "Bocconcino" verfügt jedoch nicht nur über eine geöffnete Front gegenüber der nicht wirklich malerischen Küstenstraße, sondern auch über diverse Filmfotos an den Wänden (unter anderem aus "Der Pate") - und der bedienende Herr versucht auch die etwas stürmische Freundlichkeit der Italiener nach Malta zu transportieren, klopft mir jovial auf die Schulter und reicht mir die Karte. Bei ihm heiße ich auch entgegen ALLER Gastbetriebe, in denen ich bislang war, nicht "Sir" - sondern "my friend". Wärme umflort mein Herz. - Nun denn, ich entscheide mich für den Oktopus mit Knoblauch. (Die Knolle steht hier auf der Insel scheinbar hoch im Kurs.) - Meine Erwartungen von frischem, auf dem Grill gebratenem Tintenfisch mit ein wenig Knofi, Olivenöl und Zitronensaft (wie ich ihn köstlichst auf Sizilien vorfinden durfte) wird enttäuscht: in Stückchen geschnitten kämpft der Oktopus auf einem Salatbett mit Kapern, minimal Knoblauch, ein wenig Zwiebelscheiben und ziemlich intensiven Gewürzen. Ich tippe auf "Gewürzmischung Mediterranea" vom maltesischen Discounter.

Und so ist meine Begeisterung nicht unbedingt groß, als ich mich wieder auf mein Zimmer begebe.

Als es in Richtung des Abends geht, will ich zunächst herausfinden, ob eins der etwas versteckteren Pubs, die ich auf meinen Exkursionen in der Nähe entdeckt hatte, geöffnet hat - der Concierge ist wieder mal sehr bemüht, kennt den Laden aber auch nicht wirklich (selbst beim Namen muss er kurz raten) - und das, obwohl es nur drei Pubs in näherer Umgebung gibt. Aber es ist so nett und ruft dort an, um auf Klingonisch herauszufinden, dass Montag Ruhetag ist. Somit führt mich mein Weg wieder in Richtung der Ortsmitte Saint Julian's.

Das einzige (zudem auch noch bezahlbare) Pint meines favorisierten Ciders ist offensichtlich lediglich im "Scotsman" zu finden, der mir schon während des Rugby-Finales barmherzigen Unterschlupf bot - und nachdem der Oktopus (glücklicherweise!) keinen bleibenden Eindruck hinterlassen hat, bestelle ich dort auch wagemutig einen Steak & Kidney Pie.

Und - erstaunlich! - das Ganze ist recht lecker und dazu auch noch preisgünstig. Zwar ist das beiliegende Gemüse britischer Gewohnheit entsprechend komplett ungewürzt, aber hier schimpfe ich deswegen mal nicht innerlich über die auf dem Tisch befindlichen Salz- und Pfefferstreuer. Keine kulinarische Offenbarung, aber ein herzhaftes Essen und ein doch gelungener Abschluss eines sonst vergleichweise ereignislosen Tages. - Morgen ist ein neuer, vielleicht anderer davon!

Tag 6 -Magic bus

Um mein Nichtstun des Vortags zu flagellieren (meine Güte, gibt es dieses Wort wirklich?), begehe ich den sechsten Tag mit einem Besuch des im Erdgeschoss des Hotels befindlichen Reisebüros. Dort erklärt mir eine ältere Dame mit schottischem Akzent, was ich mir eigentlich eh schon ausgeguckt hatte: auf der Insel verkehren oben offene Doppeldecker-Busse einer Reisegesellschaft, die Rundfahrten über die Insel anbietet, bei denen man an den diversen Halts beliebig ein- und aussteigen kann. Und alle 30 Minuten kommt ein neuer Bus angebraust. - Nachdem ich mich nicht wirklich entscheiden kann und das Ganze eh nicht wirklich teuer ist, buche ich für 26 Euro gleich beide Touren - einmal Nord für heute und einmal Süd für morgen - und kriege dazu noch eine Hafenrundfahrt und eine optionale Busfahrt in einem Oldtimer-Bus obendrauf. Das klingt doch nicht übel - und einen Shuttle zur Zentralhaltestelle am Hafen von Sliema gibt es auch, wenn man nicht über eine Überall-Busfahrkarte verfügt wie meinereiner.

Nachdem beim ersten Bus eine italienische Schulklasse das komplette Oberdeck belegt, nehme ich Nummer zwei eine halbe Stunde später und lasse mich an Valletta vorbei in Richtung Inselinneres und Norden gurken. Meine Vermutung: die Übersetzung des Wortes "Malta" bedeutet nicht, wie die Tante in den Kopfhörern behauptet "Land von Milch und Honig", sondern "Land der Schlaglöcher und Bandscheibenvorfälle". Da hilft beim Filmen auch die beste Verwackelungsautomatik nichts.

Und bislang sehe ich mich in meiner Beobachtung bestätigt: "schön" ist anders. "Malerisch" auch. - Viel Fels, wenig Bäume, einige Agrarflächen zwischen den steinigen Feldern, der Rest: zugebaut... Das war's. - Lediglich in M'dina steige ich aus, um mir eine halbe Stunde lang die Festung beziehungsweise die Altstadt anzuschauen - und hier bin ich tatsächlich angetan von den massiven Mauern, den engen Gassen - und davon, dass trotz des Tourismus auch ab und zu mal eine stille Ecke zu finden ist.

Die ehemalige Hauptstadt Maltas bietet auch einen schönen Überblick über den Rest der Insel.

Nach drei Stunden gelangen wir wieder - vorbei an einem der "Strände" der Insel

Die ehemalige Hauptstadt Maltas bietet auch einen schönen Überblick über den Rest der Insel.

Nach drei Stunden gelangen wir wieder - vorbei an einem der "Strände" Maltas...

...nach Saint Julian's, doch auch mein zweiter Versuch in Richtung meines eigentlich ganz gerne favorisierten Restaurants geht in die Hose - erneut geschlossen. - Womöglich hatte ich mit dem Samstag den einzigen Tag erwischt, an dem nicht nur abends geöffnet war... - So verkneife ich mir weitere Experimente mit jenen Lokalen, die vielleicht aus dem Grund Mittagstisch anbieten, weil sonst niemand dorthin geht und lege nach dem kleinen Füßevertreten selbige in meinem Zimmer hoch und trinke noch einen Schluck "Kinnie". Wird nicht besser dadurch, dass es lauwarm ist. (Übrigens ist mein Hotelkühlschrank eine Art kühlender R2D2: er merkt sich, was sich in seinem Bauch befindet - und wenn man's rausnimmt, landet's auf der Rechnung. - Spaßigerweise kam mir beim ersten Öffnen eine Dose "Sprite" entgegen, und am nächsten Tag war ein Hotelangestellter baß erstaunt, dass er nicht nachlegen musste. - Tücken der Technik!)

Abends wage ich mich in "Simon's Pub", eine etwas abseits der Touristenpfade gelegenen Kneipe, in der ich mich schon gleich angesichts der eigenwilligen und ein wenig "assligen" Deko, diversen kleinen, charmanten Details und der Playlist, die von cheesy Seventies über Rock- und Hardrockklassiker bis hin zu Crossover-Metal reicht, wohl fühle.

Simon, ein Malteser, der den Laden seit 32 Jahren betreibt, ist etwa Mitte 50 und erzählt mir schon bald von seinem Musikfestival, das er jährlich zugunsten behinderter Kinder veranstaltet. Auch der olle Marc Storace von "Krokus" posed mich von einigen Fotos und Zeitungsausschnitten an. Ich fühle mich hier zum dritten Mal (nach dem "Muddy Waters" und dem "Gozitan") wirklich willkommen und nicht wie ein gesichtsloser, austauschbarer Touri von vielen. Dazu trägt auch bei, dass Simon immer wieder kleine Teller mit Appetithäppchen (handliche Stücke des rustikalen Brots mit Olivenöl und ein wenig Essig zum Tunken oder kalte Pasta mit Oliven und Minze) auf den Tresen stellt und jeder zugreifen darf, so viel er möchte.

Auch sonst ist die Atmosphäre irgendwie familiär.

Ich gerate ins Gespräch mit einer jungen, hier auf Malta für einige Monate ein Auslandsstudium absolvierenden Amerikanerin aus Pennsylvania, die - wie man am Namen des Bundesstaats erkennen kann, wenn man mal goggelt - offenbar aus einer ähnlich waldreichen Gegend stammt wie ich, was auf der kargen Insel doch ein wenig vermisst wird. Glücklicherweise ist der Rückweg bergab, gerade und nicht allzu weit.

Tag 7 - Gerüttelt, nicht gerührt

Nachdem die vortägige Bustour leider nicht viele Möglichkeiten lieferte, mal bei einem Stopp auch Fotos zu machen, überlege ich mir kurz, ob ich wirklich auch die zweite Runde absolvieren soll - aber ich denke mir: "Was soll's?" und besteige den nun roten Bus in Richtung Süden der Insel. Es hat wieder etwas abgekühlt, was mir mit meinem recht präsenten Sonnenbrand doch irgendwie gelegen kommt.

Valletta wird von allen Seiten umfahren, ein riesiges Kreuzfahrtschiff liegt im Hafen vor Anker, die Tante aus dem Lautsprecher vermittelt einen kurzen Eindruck der wechselhaften Geschichte Maltas - wobei immer wieder von irgendwelchen Heiligen, Großmeistern und Kirchen die Rede ist, bis einem vor lauter Katholizismus schwindlig wird. Dieser Heilige hat sich dort die Füße gewaschen, daher ist das Quellwasser gut gegen Vergiftungen, dieses kleine Mädchen hat sich vor Piraten in jener Höhle versteckt und wurde von der Heiligen Jungfrau Maria gerettet, weil: Spinnennetz... - Frömmelei und Aberglaube spielen offenbar seit langem eine große Rolle hier.

Es gibt Straßenabschnitte, wo einem vor lauter Schlaglöchern die Gonaden in den Hals springen und der Bus mit seinen knapp 10 Stundenkilometern kurz vorm Durchbrechen der Schallmauer steht... die Blaue Grotte lasse ich links liegen, und leider sind die von mir ins Auge gefassten prähistorischen Tempel zum Schutz vor Wind und Wetter von einem Zelt überdacht, daher spare ich mir das auch. Und das "malerische, typische" Fischerdorf gewinnt nicht unbedingt durch die Förderplattformen im Hintergrund - da helfen auch die typisch-bunten Malteser Fischerboote nix. Was Idylle angeht, muss man woanders hin. - Oder man bewegt sich lediglich in hinterlegenen Gassen der Festungsstädte. Dort ist es angenehm kühl und auch ruhig, wenn nicht gerade irgendeine aus aller Welt stammende Touristengruppe schnatternd die Meditation unterbricht.

Zwischendurch die allseits beliebte Rubrik "Wieder was gelernt": an manchen maltesischen Kirchen sind zwei Uhrwerke angebracht, die zwei verschiedene Zeiten anzeigen - jedoch nicht stundenweise unterschiedlich, wie man bei entsprechenden Zeitzonen vermuten würde. Der Grund ist deutlich amüsanter!

offenbar halten die Malteser es so, wie die Schwaben mit ihren Maultaschen (aka "Hergottsb'scheißerle"). Bei den schlaumeiernden Württembergern wird ja der Versuch gemacht, den Allmächtigen zu verkackeiern, indem man zur Fastenzeit um die fleischhaltige Füllung einfach einen Teigmantel wickelt (Raffiniiiiiiert! - Das kriegt der Alte NIE mit!) - hier auf der Insel versucht man jedoch die Opposition an der Nase herumzuführen: die eine Uhr zeigt immer die falsche Uhrzeit an, damit der Satan nicht weiß, wann die Heilige Messe stattfindet (Genial! - Da kommt der Vogel NIE drauf!). - In beiden Fällen kann ich nur sowohl den Scharfsinn der Ausführenden loben wie angesichts der "Allmächtigkeit" der beiden himm-/höllischen Kontrahenten nur anerkennend das Hütchen lüften. - Gute Idee! Chapeau!

Nach vier Stunden entfliehe ich der weiteren Wirbelsäulenstauchung und begebe mich zum Hotel, wo ich mich mit einem quasi selbstkreierten Burger stärke (diesmal Lamm auf Focaccia mit Meerrettich-Avocado-Sauce - Fotos gab's mittlerweile genug, und nichts davon läuft hier als "food porn"). Denn dass das "Gozitan" ausgerechnet heute mittags geöffnet hat, wage ich nicht mehr zu hoffen. Langsam stelle ich mich auf die Abreise ein. - Zum Finale noch eine Liste der Sprachen, die ich in der einen Woche auf Malta bewusst vernommen habe: Maltesisch, Englisch, Italienisch, Französisch, Griechisch, Spanisch, Portugiesisch, Holländisch, Deutsch, Japanisch, Russisch, Polnisch, Hebräisch. Na dann gute Nacht!

Uuuuund: Abflug!

Irgendwie war zu erwarten, dass mir das maltesische Bussystem noch ein kleines Andenken mitgeben würde. Brav und konservativ denke ich mir, dass zweieinviertel Stunden angesichts des bereits erfolgten Online-Check-Ins reichen müssten und begebe mich um 7 Uhr zur hotelnahen Haltestelle. Der Concierge hatte schon erwähnt, dass die Fahrt je nach Verkehrsaufkommen zwischen einer und eineinhalb Stunden dauern kann. Aber dass es dann zwei Stunden werden...

Als mir der Busfahrer auf Nachfrage nach eineinhalb Stunden Qual durch wildes Verkehrschaos und Stau um Stau bedeutet, es würde wohl noch 30 Minuten bis zu meiner Ankunft am Flughafen dauern, prüfe ich meine Optionen durch einen Handy-Anruf bei Air Malta. Die freundliche Dame am Telefon meint, dass ich den Flug umbuchen könne - sofern ich ihn nicht antrete. Interessante Logik. Wobei sie sich nicht sicher ist, ob das bei dem von mir gebuchten Kombinationsangebot überhaupt geht. Während sie das prüft, ist die Verbindung weg - und der Busfahrer hat durch halsbrecherische Aktionen noch 5 Minuten rausgeholt. Ich haste zum Check-In-Schalter (mir gefällt die Option nicht, eine zusätzliche Nacht auf Malta verbringen und den Rückflug neu buchen und zusätzlich bezahlen zu müssen, daher spiele ich auf Risiko) - 10 Minuten vor Abflug! - Dort steht auch noch ein anderer Passagier, der ein wenig verzweifelt scheint. Man kümmert sich jedoch für maltesische Verhältnisse erstaunlich schnell und effizient um mein Anliegen - sogar die Tasche, die ich auch im Notfall aufgegeben hätte, denn meine ungewaschene Wäsche ist im Zweifelsfall weniger wert als die 400 Euro, die mich ein Verpassen des Fliegers wahrscheinlich kosten würde, kommt noch mit. Man geleitet uns im Eiltempo durch die Sicherheitskontrolle zum Gate - und ich merke dort, dass ich bei der Schleuse meinen Reisepass vergessen haben muss. Die Dame vom Check-In eilt heldinnenhaft zurück - und ich gelange tatsächlich mitsamt Gepäck wieder in bajuwarische Gefilde. - Erneut wird mir klar, dass man auf Malta beim Busfahren viiiiiiel Zeit und Geduld braucht. Und der andere verspätete Passagier bedankt sich tatsächlich noch herzlich und nennt mich seinen "Retter", weil man ihn ohne meine Ankunft wohl nicht mehr auf den Flieger hatte lassen wollen. - Der olle Samariter mal wieder (und das ohne eigenes Zutun)! - Wo kann ich mich bewerben?

Was bleibt, ist die Erfahrung, dass es auf Malta zwar nette Pubs und auch herzliche Menschen gibt - aber die karge und baumarme Insel lockt nicht wirklich mit ruhigen und idyllischen Ecken. Zumindest nicht dort, wo ich mich bewegt habe. Ich würde Sardinien und Sizilien urlaubstechnisch dagegen eintauschen, im Zweifelsfall. - Wenn da nicht die Sprache wäre...